- Handwerker-Workshop mit Sebastian Daske (Iduna) und Steffen Bouffleur auf der Kauzenburg – Yin und Yang, Chance und Risiko bei Lohnoptimierung – Geschäftsführer Schild stellt sich vor
Von Armin Seibert
Bad Kreuznach. Der Handwerker-Workshop der IDUNA-Bezirksdirektion Sebastian Daske in Zusammenarbeit mit Steuerberater und Rechtsanwalt Steffen Bouffleur ist volljährig geworden. Zum 18. mal lud Daske zu für Handwerksbetriebe hochinteressanten Informationsvorträgen auf die Kauzenburg ein. Einige der interessierten und angemeldeten Handwerker blieben wohl wegen der drückenden Sommerhitze lieber zu Hause. Sie verpassten viel geldwerte Info und ein leckeres für 60 Personen vorbereitetes Drei-Gänge-Menü von Mikes Catering (Bretzenheim), den Sektempfang hoch über der Stadt und den kollegialen Austausch bei Wein, Bier und Wasser.
„Wir spielen ein bisschen Yin und Yang,“ merkte Steffen Bouffleur zu seinem Vortrag über Lohn- und Gehaltsoptimierung an. Er erhob ein wenig den warnenden Zeigefinger nach dem sehr optimistischen Vortrag von Iduna-Bezirksleiter Daske. Yin und Yang – die chinesische Philosophie steht für die Dualität der Dinge, zwei Pole, die sich bedingen und ergänzen.
Aber von vorne: Daske erinnerte an die Anfänge des Workshops, blickte zurück auf die Geschichte des berufsständischen Versicherers Iduna, verwies stolz auf 8461 Kunden in seinem Nahe-Hunsrück-Bereich und gute Umsätze sowie auf die Auszeichnung als bester Ausbildungsbetrieb im Kreis. Sein Motto: Begeisterung für die Altersvorsorge feststellen, die aktuell mit der Rentenreform ein generationenübergreifendes Thema ist. Das bewährte Renten-Motto „Jung für Alt“ zähle nicht mehr, und wenn jeder für sich sorgen müsse, gelte es vorhandene Vorsorgeprodukte zu nutzen. Für Daske ist klar: Die betriebliche Altersversicherung ist das Beste, denn die nutzbaren Zuschussformen rechnen sich für alle.
Am Beispiel der gesetzlichen Höchstgrenzen rechnet er vor, dass ein Arbeitsnehmer mit 3300 Euro Gehalt bis zu 338 Euro monatlich anspare. Er selbst müsse davon nur 123,22 Euro aufbringen. Per „Schieberechner“ könnte man schnell ausrechnen, was bei nur 15 oder 25 Ero Selbstzahlung am Ende herauskomme. Dagegen sei die althergebrachte vermögenswirksame Leistung „der letzte Mist“, und Lebensversicherungen mache man auch nicht mehr. Viele Detailfragen gelte es natürlich im persönlichen Gespräch zu klären, vielleicht im „kleinen Workshop“ zusammen mit Betriebsleitern und Mitarbeitern, oder halt beim Mitarbeiter zu Hause. Im Übrigen lohne sich ein Einstieg noch für 60-jährige, merkte Daske an – die Rente aufbessern geht immer. Auch zum Thema Cyberschutz warb er um Aufmerksamkeit. Es sei fahrlässig, auf IT-Programme und Virenscanner zu vertrauen, neue Autos versichere man ebenso sinnigerweise Vollkasko. Selbst im Raum Kreuznach bei kleineren Betrieben seien schnell bis zu 50 000 Euro Schäden durch Hacker vorgekommen. Nicht zu reden von Großbaustellen wie Autohersteller Jaguar, wo nach Hacker-Angriffen die Produktion stillstand.
Aktivität statt Stillstand, Anpacken und auf den Punkt bringen – das war das Thema von Marc Schild (47), dem neuen Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück, der den Workshop zur Vorstellung nutzte. Der sechsfache Familienvater wählte als plakatives Beispiel der nötigen Konzentration einen Karate-Bruchtest. Der soll nicht destruktiv gewertet werden, sondern als Fokussierung auf die Prioritäten dienen. In der Tat gebe es im KHS-Bereich, der mit fast 1000 Betrieben eine Fläche größerer als das Saarland abbildet, einiges zu. „Tun wir es gemeinsam, packen wir es an“, rief Schild den Handwerkern zu.
Das passt zum Vortrag von Steffen Bouffleur, der den Handwerksbetrieben die staatstragende Rolle zubilligt und bei seinem Thema Nettolohnoptimierung den Betriebsleitern ein dickes Brett vor Augen hielt. Mit Bruchtest ist da wenig zu machen, vielmehr sind Sensibilität und Vorsicht nötig. Die Basis müsse stimmen, ehe über Verbesserungen gesprochen werde. Viele Arbeitnehmer und selbst Arbeitgeber könnten ihre Lohnabrechnung nicht richtig lesen. Mehr Netto vom Brutto wollten viele, aber es gelte stets die Vorgaben der Finanzbehörden zu berücksichtigen. Bei Sachbezügen wie Tankgutscheinen, Bonuskarten, Essenszuschüssen, Kinderbetreuungshilfen oder Jobtickets gelte es akribisch zu dokumentieren. Da müsse alles stimmen, sonst drohe Ärger. Wichtig sei, freiwillige Leistungen vertraglich festzulegen, nicht dass es als Gewohnheitsrecht gewertet werden. Eine Menge Änderungen kämen im nächsten Jahr auf Betriebe und Steuerberater zu, und es werde sicherlich konsequent geprüft. Da könne etwa in Sachen „Phantomlohn“ schnell bei „Minijobs“ hohe Nachzahlungen bei der Sozialversicherung auflaufen. Ein drohendes Szenario: Der Mindestlohn in einem Gewerbe kombiniert mit der Annahme des Sozialversicherers, der Minijobber arbeite 20 Stunden wöchentlich, wird auf einen Monatslohn von über 1000 Euro hochgerechnet. Dabei kam der Minijobber doch zur sporadisch hie und da ein paar Stunden.
Was also bei vielen Nettolohn-Optimierungsbeispielen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verheißungsvoll klingt, birgt in der Praxis Fallstricke. So raten Bouffleur wie Daske zu Einzelfallgesprächen, damit das Thema Altersvorsorge-Reformgesetz und Nettolohnoptimierung kein böses Erwachen mit sich bringt. Motto: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Beispiel: Wenn 50 Euro die steuerfreie Höchstgrenze abbilden, wird bei 51 Euro nicht der eine „müde“ Euro über 50 sondern die Gesamtmenge versteuert. Das kann richtig weh tun. Fazit: Wer den Workshop wegen Hitze geschwänzt hat, holt sich womöglich im Behördendschungel demnächst ein paar heiße Ohren.







