Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Kurhaus Bad Kreuznach – KI-Fachmann Krause beeindruckt Zuhörerschaft, Kreishandwerksmeister Wenz beschwört Zusammenhalt – Ehrungen
Von Armin Seibert
Bad Kreuznach. Kurz und knackig verlief der offizielle Teil des traditionellen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück im nicht ganz voll besetzten Großen Kursaal des Parkhotels. Vorsitzender Handwerksmeister Alfred Wenz begrüßte einige Dutzend Ehrengäste, darunter Landtagsabgeordnete, Landräte, Bürgermeister, Vertreter von Wirtschaft und Verbänden, vor allem auch die „silbernen“ Meisterjubilare und im Bundes-Berufswettkampf erfolgreiche Junghandwerker. Und natürlich den KI-Experten und Hauptredner des Abends: Digitalisierungsfachmann, Designer und Chef des Mittelstands-Digitalzentrum Handwerk der Handwerkskammer Koblenz Christoph Krause.
Wenz appellierte vier Wochen vor dem Landtagswahlkampf an ein faires Miteinander der Abgeordneten und Kandidaten und rief ihnen zu: Haltet so wie in Ortsgemeinderäten zusammen, wo die Parteizugehörigkeit keine Rolle spielt, verzichtet auf Grabenkämpfe, denn allein könnt ihr nichts bewegen. Im Wahlkampf sollten auch bitte alle darauf achten, nur zu versprechen, was realistische Chancen hat, eingehalten zu werden. Zum Thema des rasant steigenden Mindestlohns rechnete Wenz vor, dass sich viele potenzielle Azubis fragten, ob denn eine Lehre überhaupt lohne, wenn es doch gleich nach der Schule 13,90 Euro Stundenlohn gebe. Das hole man nach dreieinhalb Jahren Ausbildung bei Anfangs-Gesellengehältern knapp über 16 Euro doch nicht mehr auf. So werde jedenfalls bei Ausbildungsbörsen zum Teil argumentier
Das war Wasser auf die Mühlen von KI-Spezialist Christoph Krause, der in seinem Kurzvortrag süffiant anmerkte, seine 73 KI-Assistenten im KI-Zentrum arbeiteten für weniger als einen Euro pro Stunde, seien nie krank und immer verfügbar. Angesichts von 234000 offenen Stellen im Handwerk und 60 Milliarden Euro Verlust durch Ablenkung mit digitalen Medien sei es an der Zeit, die KI-Vorteile zu nutzen. Krause empfahl dabei sichere deutsche Technik, warnte vor Billigangeboten. Seine Auflistung von einem Dutzend Anwendungsbeispielen von mehreren Hundert, die er parat hätte, versetzte das Auditorium in Erstaunen. Zum Beispiel ein Bauplan auf dem Handy, der per Spracheingabe aktiviert wird und die zu leistenden Arbeiten auflistet. Die App kann das in allen Sprachen von Lettland bis Portugal. Und alle Arbeiter und Azubis verstehen es. Oder: Ein Hosenknopf kleiner Anhänger dient als Protokollant von Baustellenbesprechungen, ein Helm mit 360-Grad-Dokumentationskamera hilft bei Brückenuntersuchungen und spart acht von zehn Spezialisten, spart lange Anfahrten und Reisekosten. Die Effizienz werde in vielen Bereichen gesteigert, doch werde Handarbeit weiter gefragt sein. Krause glaubt, dass Handarbeit und Handwerk ein neues Biosiegel ermöglichten und nimmt Fachleuten die Angst: Bewahren Sie das Echte. Allerdings warnte Krause auch davor, sich überstürzt mit KI-Programmen einzudecken. Info vor Investition, mit dem ein oder anderen vorschnell eingesetzten Programm könne man in Teufels Küche kommen. Der KI-Experte ist aktuell in der ganzen Republik unterwegs, ist mit einem 13 Mitarbeiter (echt in Fleisch und Blut) im Digitalzentrum bundesweit mit führend und bietet Hilfe an. Das Mittelstand-Digitalzentrum Handwerk in Koblenz ist Teil des bundesweiten Netzwerks mit vier Standorten und wird von der HWK-Koblenz betrieben. Telefon 0261 398-0, hwk@hwk-koblenz.de. Der ein oder andere angemeldete aber zum Empfang nicht erschiene Ehrengast hätte seine Entscheidung, sich den Empfang zu schenken, in Anbetracht des spannenden und richtungsweisenden Krause-Vortrags wohl überlegt. Überlegen will Kreis-Handwerksmeister Alfred Wenz mit Sicht auf 2027, wie die Bundestags-Sitzungswoche mit dem Neujahrsempfang zu koordinieren ist. Für KI wohl kein Problem.
Bei der anschließenden Ehrung der Handwerksmeister, die vor 25 Jahren ihre Prüfung abgelegt haben, machte Wenz einen kleinen Schritt zurück, erinnerte daran, dass Handys damals so groß waren wie Backsteine und dass man sich bei SMS-Nachrichten die Finger verbog. Aber es hat sich gelohnt, sagte Wenz und erhielt Zustimmung von Raumausstattermeister Helmut Schmidt. Der 70jährige machte Mut, auch im fortgeschrittenen Alter – so wie er damals mit 45 – den Schritt zur Meisterschaft zu gehen. Es sei nie zu spät.
Bei der anschließenden Ehrung der auf Bundes- und Landesebene erfolgreichen Junghandwerker in den Bereichen Metallbau, Goldschmiede, Bestattung, Fleischerei, Frisuer, KfZ, Werkzeugbau und Landmaschinentechnik wurde deutlich, dass die Region Rhein-Nahe-Hunsrück viel Potenzial und Wissen vereinigt und eine gute wirtschaftliche Handwerksbasis bietet.
Bei kühlen Getränken und Häppchen im Kursaal-Nebenraum hatten Handwerker und Gäste gut zwei Stunden lang Gelegenheit zum intensiven Austausch, Verbands- und Lokalpolitik, freundschaftliche Begegnungen, Kritik und Lob wurden aufgetischt – da konnte KI natürlich noch nicht mithalten. Obwohl es in Krauses Konzept passte, der riet: Schmeißen wie ihre Tastatur weg, reden sie. Armin Seibert
Namen der Geehrten:
Bundeswettbewerb (German Craft Skills 2025).
Metallbauer Landessieger Simon Albrecht (Sohren), Goldschmiedin Landessiegerin Hannah-Sophie Heinz (Idar.Oberstein), Bestattungsfachkraft Landessieger Clemens Oestreich (Mittelreidenbach), Präzisionswerkzeugmechaniker Landessieger Lasse Frank Zimmer (Sein), Fleischerin Landessiegerin Lynn Neumann (Rheinböllen), Friseurin 2. Kammersiegerin Elisabeth Doris Ziegler (Sohren), Kraftfahrzeugmechatroniker 3. Kammersieger Marlon Gräf (Rhaunen) und Land- und Baumaschinenmechatroniker Felix Noll (Kruft).
Silberne Meisterbriefe
Kfz-Mechanikermeister Zaid Jubril Abu Zanuna, Thomas Jakob, Mike Schwarz. Friseurmeisterinnen Hafice Akcan. Tischlermeister Achim Kirschner, Heinrich-Ludwig Karl und Marco Konen. Zimmerermeister Niclas Boor. Metallbauermeister Stefan Bingenheimer und Thilo Budde. Steinmetz- und Steinbildhauermeister Bernd Becker, Gebäudereinigermeister Frank Bernhard, Elektroinstallateurmeister Michael Gayer, Horst Gemünden, Timo Jung und Stefan Linn. Installattions- und Heizungsbauermeister Michael Göbel, Marco Johannes und Michael Weyand. Raumausstattermeister Helmut Schmidt und Florian Taddey, Dachdeckermeister Alexander Schmidt, Maler und Lackierermeister Sebastian Kauer.



