Für jeden Kreis einen Kreishandwerksmeister

Kreishandwerkerschaft wählt Vorstand – Jeweils vier Beisitzer aus Kreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück – Aktuelle Probleme optimistisch und selbstbewusst angehen

Bad Kreuznach. Die Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück als Serviceorganisation der Innungen und deren Mitgliedsbetrieben hat in ihrer Delegiertenversammlung einen neuen Vorstand für die nächsten fünf Jahre gewählt. Nach einer Satzungsänderung steht jetzt jedem der drei Landkreise ein Kreishandwerksmeister vor. Alfred Wenz (Bundenbach) ist für den Kreis Birkenfeld, Peter Mumbauer für den Rhein-Hunsrück-Kreis und Simon Henkel für den Kreis Bad Kreuznach zuständig. Den Vorstandvorsitz für die nächsten fünf Jahre übernimmt Alfred Wenz. Die Wahlen fanden unter der Leitung von Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer Koblenz, statt. Er und Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich sowie RA Susanne Terhorst, Leiterin der HwK-Rechtsabteilung, informierten die Delegierten der Innungen über die Entwicklungen im Ahrtal und die Hilfestellungen aus der Kammer, den Handwerksorganisationen und den vielen Freiwilligen. Sie stellten die aktuellen Ausbildungszahlen dar, die leider rückläufig seien. Hier werde das Handwerk massiv entgegensteuern, um seinen Fachkräftebedarf zu decken.

In der folgenden konstituierenden Vorstandssitzung wurden in engagierter Debatte zahlreiche aktuelle Themen angesprochen. Die wollen die ehrenamtlichen Vertreter von fast 1000 Betrieben in der Nahe-Hunsrück-Region engagiert, selbstbewusst und vor allem lösungsorientiert angehen. So wurde die Thematik Schwarzarbeit etwa bei den Friseuren angesprochen. Die Zusammenarbeit mit Behörden müsse in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer etwa durch Seminare fokussiert werden.  Beim Thema Strompreis will man Verhandlungen aufnehmen, um Verbesserungen zu erreichen. Angedacht ist eine steuerbegünstigte Heimat-Shopping-Card im Wert von 50 Euro, die überall dort eingelöst werden, könnte, wo EC-Kartenzahlung möglich ist. Ein Bestreben der KHS ist es, den Organisationsgrad der Handwerksbetriebe in den Innungen zu erhöhen. Er liegt im Gebiet der Kreishandwerkerschaft zwischen 50 und 90 Prozent, sagt der langjährige KHS-Geschäftsführer Gerhard Schlau. Die Innungshandwerker sind froh, dass sich Schlau nach zwei Jahren Ruhestand unter anderem mit diesem Zukunftsthema wieder mit einbringt. Er will Betrieben vermitteln, dass ihnen die Innungsmitgliedschaft großen Nutzen bringt, dass Gemeinsamkeit stark macht. Juristische Beratung spielt hier eine tragende Rolle. Es gibt Ausschüsse für Lehrlingsstreitigkeiten der Innungen, Schiedsstellen, eine Mahn- und Inkassostelle (seit 2015 mit rund 400 Verfahren und einem Streitwert von über einer halben Million Euro).  2021 führte Silke Dittrich, Geschäftsführerin der KHS,  21 Arbeitsgerichtsverfahren für Innungsbetriebe durch, führte unzählige Beratungsgespräche, fertige Arbeitsverträge aus, formulierte Zeugnisse und Abmahnungen und zivilrechtliche Angelegenheiten.  Ein Zukunftsthema ist auch die Digitalisierung. So wurde beschlossen, dass künftig digital zu Versammlungen eingeladen werden kann.

Corona-Pandemie, Fachkräftemangel, Klimawandel, Energiekrise – all das sind für die Handwerksbetriebe und die KHS als Überbau der selbstständigen Innungen fordernde Themen. Dabei habe man gerade in der Corona-Krise bewiesen, wie gut ehrenamtliche Verbandsarbeit funktioniert, betont Installateur- und Heizungsbauermeister Simon Henkel. Schon wenige Wochen nach dem ersten Lockdown habe das Handwerk vor allen anderen hauptamtlich geführten Institutionen belastbare Statistiken mit fundierten Zahlen etwa über corona-bedingte Umsatzrückgänge geliefert. Eine wichtige Basis für politische Entscheidungsträger sei das gewesen. Das Handwerk habe Corona ungeachtet funktioniert. Leider hätten viele das nicht beachtet und nicht danach gefragt, sagt Henkel. Aber für die ausschließlich ehrenamtlich agierenden Handwerksvertreter war es ein wohltuender Beweis, dass die Strukturen stimmen. So will der neue Vorstand aus dem ganzen Strauß von Ideen und Themen klare Prioritäten setzen und Lösungen entwickeln. Er will die politischen Vertreter von der Basis bis in höchste Gremien einbinden. Beim Thema Ausbildung und Fachkräftemangel setzt man wie schon vor Corona auf die bewährten Ausbildungsbörsen. Für diese „Karrieremessen“ stehen die Termine in Simmern (1. Oktober 2022 in der Hunsrückhalle) und in Idar-Oberstein (6. und 8. Oktober2022 in der Messehalle) schon fest. In Bad Kreuznach möchte man in 2023 so schnell wie möglich wieder die vor der Corona-Pause beliebte Mitmach-Messe anbieten, dabei Arbeitsagentur und Handwerkskammer Koblenz mit ins Boot nehmen.

Bei der Fachkräftegewinnung setzt man auch auf unkonventionelle Methoden, merkt Alfred Wenz an. Der langjährige Bäckerinnungs-Obermeister und frisch gebackene Vorsitzende Kreishandwerksmeister nennt die Möglichkeit, gute Berufsschulleistungen vorausgesetzt, jederzeit im Jahresverlauf mit Ausbildungen beginnen zu können. Er betont die hervorragenden und schnellen Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk über Meisterbrief oder gar Studium. Peter Mumbauer, der zehn Jahre Vorstandsvorsitzender war, freut sich, dass die Vorstandsarbeit auf viele Schultern verteilt werden konnte. So ergab es sich bei der Vorstandswahl wie erhofft, dass aus jedem der drei Kreise vier Mitglieder als Vorstands-Beisitzer vertreten sind. Auch die unterschiedlichen durch die Innungen in der Region vertretenen Handwerksberufe seien im Vorstand präsentiert, sagt Dachdeckermeister Mumbauer und nennt unter anderem Metall- und Holzbau, Elektroniker, Maler und Lackierer, Kfz-Techniker oder die Frisöre. 

Der neue Vorstand der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück: Vorsitzender Kreishandwerksmeister Alfred Wenz, Kreishandwerksmeister Peter Mumbauer und Simon Henkel, Beisitzer:  Reinhold Lorenz, Hans Peter Lewisch (beide Bad Kreuznach), Norbert Theis (Pfaffen-Schwabenheim), Michael Will (Bockenau), Andreas Imig (Simmern), Volker Bernhard (Gerach), Andreas Lautz (Bruchweiler), Joachim Gaß (Rhaunen), Mathias Liesch (Kastellaun), Gunter Schwaben (Sohren), Raimund Engbarth (Idar-Oberstein), Thomas Klemm (Simmern), Rechnungsprüfer: Hans-Jörg Lofi (Idar-Oberstein), Oliver Durm (Zell/Mosel), Stellvertreter: Günter Bischof (Bretzenheim) und Winfried Berg (Kirchberg).

Der neue Vorstand der Kreishandwerkerschaft ist optimistisch und präsentiert sich als starke Gemeinschaft. Hintere Reihe von links: Reinhold Lorenz, Gerhard Schlau, Joachim Gaß, Thomas Klemm, Gunther Schwaben, Volker Bernhard, Mathias Liesch, Andreas Lautz, Andreas Imig, Norbert Theis, Hans-Peter Lewisch, Vorne von links sitzend: Simon Henkel, Alfred Wenz, Peter Mumbauer. Wegen Urlaub nicht auf dem Foto: Raimund Engbarth, Michael Will. Fotos: Kreishandwerkerschaft

Die drei Kreishandwerksmeister vertreten die Innungen in den drei Landkreisen der Kreishandwerkerschaft. Von links:

Simon Henkel, Alfred Wenz, Peter Mumbauer.

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