Bad Kreuznach. Die Land- und Baumechanikerbranche freut sich über ein starkes Dutzend neuer Meister in ihrem Gewerbe. Alle zwölf Aspiranten haben jetzt die Prüfung nach einem zweijährigen Meisterkurs bestanden und gebührend gefeiert. „Sie haben mir mit durchweg guten Noten einen wunderbaren Abschied vom Prüf- und Lehrgeschehen bereitet“, freut sich Lehrgangsleiter Karl-Heinz Buss (81) beim Abschluss im Bonnheimer Hof (Hackenheim) nach seinem letzten Lehrgang. Dass es lang und steinig werde, sei schon beim Start klar gewesen, doch Corona habe den angehenden Meistern und den Dozenten große zusätzliche Probleme bereitet durch Online-Unterricht oder erweiterte Unterrichtsvorbereitung. Ohne Fleiß kein Preis gelte in besonderem Maße. Aber der Meisterbrief habe einen hohen Stellenwert und sei ein belastbares Fundament der Selbstständigkeit. Land- und Baumaschinenmechanikermeister sind im Betrieb verantwortlich für die Reparatur von Traktoren, Baggern, Mähdreschern, überwachen Baustellen und sind im Kundendienst verlässliche Ansprechpartner. Buss betont: „Meisterschaft bedeutet hohe Problemlösekompetenz, Verantwortung, Kundenorientierung und Führungsstärke!“ Schließlich gehe es gerade bei großen Land- und Baumaschinen um enorme Werte: Eine halbe Million Euro Anschaffungswert sind für Mähdrescher, Bagger oder Lesemaschinen keine Seltenheit. Die dort eingebaute Technik erfordert von den Meistern höchste Kompetenz. So sind eingebaute Kameras, GPS-Erfassung etwa für Düngung oder Bodenbearbeitung im Landbau üblich und Stand der Technik, die es zu beherrschen gilt. „Der Meisterbrief garantiert eine wesentlich höhere Überlebensrate als Existenzgründungen in anderen Wirtschaftsbereichen“, zitiert Buss aus statistischen Erhebungen. „Geselle ist, wer was kann. Meister ist, der was ersann“, bringt er es auf den Punkt.
Nach theoretischem und praktischem Unterricht bei der Handwerkskammer Koblenz von September 2020 an schlossen sich Prüfungen in der Praxis mit dem Anfertigen eines Meisterprüfungsprojekts und die Prüfung mit Fachgesprächen an Arbeitsgeräten (Mähdrescher, Sämaschine und Hydraulik an einem Traktor) in der Bad Kreuznacher Deula an. Die zwölf Jungmeister absolvierten in zwei Jahren 800 Lehrgangsstunden, investierten 40 Stunden für Prüfungen in Theorie und Praxis. 170 Stunden wurden in fünf Blöcken für den Erwerb praktischer Kenntnisse und 630 Stunden für fachtheoretischen Unterricht eingebracht. Dazu kam der betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Teil mit 350 Stunden. Einen Dank richtete Lehrgangsleiter Buss auch an die Dozenten Thomas Biel, Mathias Bintz, Michael Buss, Timo Christ, Tim Florian Frick, Gerd Gräff, Eckhard Gerth, Christian Hagner, Bernhard Jakob, Jörg Skiba, Michael Winsberg und Michael Schrick.
Bei der praktischen Prüfung in den Hallen der Bad Kreuznacher Deula wurde die von den Meistern geforderte Vielfalt an Landmaschinen deutlich. Das abgeprüfte Spektrum ist enorm. Dies zeigte sich bei der Prüfung an einer Sämaschine. Prüflinge, die im täglichen Job mit Baggern und Raupen auf Großbaustellen agieren, müssen sich auch mit Ackergeräten auskennen. Es galt auch, eine Mähdrescher-Inspektion zu machen und Hydraulik-Berechnungen an einem Weinbergsschlepper vorzunehmen. Zudem hatten die Prüflinge in der Werkstatt der Handwerkskammer in der Bad Kreuznacher Siemensstraße ihr Meisterstück anzufertigen: Einen Abzieher für Gelenkwellengelenke. In 30-stündiger Arbeit wurde gedreht, gefräst, geschweißt und gebohrt. Zuvor galt es zu planen und die Kosten zu berechnen. „Die Land- und Baumaschinenmechanikermeister brauchen sich hinter ihren Kollegen aus dem Kfz-Bereich nicht zu verstecken“, sagt Karl-Heinz Buss. Als langjähriger Lehrgangsleiter der Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Kfz-Meisterprüfung mit rund 2500 erfolgreichen Teilnehmern in 25 Jahren kann er das beurteilen.
Die Meisterprüfung haben bestanden: Aaron Bockius (Gau-Algesheim), Luca Cronbach (Wiesweiler), Maximilian Egert (Hahnstätten), Hans-Heinrich Falkenstein (Ober-Flörsheim), Horst Diether Ferderer (Hünfelden), Andreas Flanz (Bad Kreuznach), Michael Hilger (Bassenheim), Denis Hilger (Ochtendung), Nick Jung (Kaiserslautern), Simon Lucht (Kettig), Christoph Moll (Ottersheim) und Marvin Steinmill (Leiningen). Die Prüflinge Cronbach, Egert, Flanz und Steinmill haben noch die allgemeintheoretischen Teile der Meisterprüfung (Teile III und IV) abzulegen. Für den nächsten Lehrgang haben sich bereits wieder 14 Teilnehmer fest angemeldet. Weitere Informationen erteilt die Handwerkskammer Koblenz, Meisterakademie, Tel. 0261 398-308, und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück, 0671/836080.

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