Ehrung für Friseurmeisterin Gaby Maurer (Mitte) anlässlich des Goldenen Betriebsjubiläums: Unter den Ehrengästen waren (von links) Ehren-Kreishandwerksmeister Jürgen Günster, Landrätin Bettina Dickes, Bürgermeister Markus Lüttger, Gerhard Schlau (früher KHS-Geschäftsführer), Gerlinde Borrero Wolff, Peter Lewisch (stellvertretende Innungsobermeister) und vorsitzender Kreishandwerksmeister Alfred Wenz. Foto: Armin Seibert

Friseurmeisterin Gaby Maurer ist seit 50 Jahren selbstständig – In der Innung engagiert und 47 Lehrlinge ausgebildet

Rüdesheim. Seit 58 Jahren ist Gaby Maurer mit Freude und viel Humor im Friseurberuf aktiv. Mit 14 begann sie ihre Lehrer bei Fritz Müller in Bad Kreuznach, mit 22 wurde sie im Juni 1975 Meisterin, machte sich am 1. September selbstständig. 50 Jahre Selbstständigkeit feierte sie mit einem gelungenen Fest im Salon in der Roxheimer Straße mit ihrem Team, mit vielen Freunden, Nachbarn und etlichen ehemaligen Lehrlingen. 47 hat Gaby Maurer ausgebildet, 42 von ihnen haben die Prüfung bestanden, viele sind Meisterinnen geworden. Zu den Gratulanten zählten auch Vorsitzender Kreishandwerksmeister Alfred Wenz, Landrätin Bettina Dickes, Bürgermeister Markus Lüttger, Ehren-Kreishandwerksmeister Jürgen Günster, der langjährige KHS-Geschäftsführer Gerhard Schlau, die stellvertretenden Innungsobermeister Gerlinde Borrero Wolff und Peter Lewisch. Es wurde viel erzählt, viel gescherzt und in Erinnerungen geschwelgt. „Zum Lachen gehen wir nicht in den Keller,“ merkte die Jubilarin als Zwischenruf zur gelungenen Rede von Gerlinde Borrero Wolff an, die die bisherige Lebensleistung ihre Kollegen treffend beschrieb: Leidenschaftlich, mit klarer Linie, offen, freudig, zuverlässig, ehrenamtlich engagiert, vertrauensvoll, lösungsorientiert, ruhig in hektischen Zeiten, und vor allem eben immer humorvoll. Sie habe vor allem in das Kapital Mensch investiert, lobte Borrero Wolff.

Das unterstrich auch Alfred Wenz, der als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Koblenz die von Präsident Kurt Krautscheid und Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich unterzeichnete Ehrenurkunde überreichte. Für ihre ehrenamtlichen Verdienste war Gaby Maurer schon 2010 mit der Ehrennadel der Friseur-Innung, dann mit der Goldenen Ehrennadel des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks ausgezeichnet worden und 2017 wurde sie zur Ehrenobermeisterin des Friseurhandwerks ernannt. Die Jubilarin freute sich sehr über die Große Resonanz auf ihre Einladung. Einige frühere Azubis habe sie leider nicht erreichen können – das frühere dicke Telefonbuch gibt‘s ja leider nicht mehr.  Einige geladene Gäste fehlten auch urlaubsbedingt, aber der Salon war voll.

Maurer dankte besonders ihrer Familie und ihren „Mädels“ Renate, Dana und Eileen vom Team, ohne die das Fest nicht möglich gewesen wäre. Ihre „Mädels“ machten der Chefin eine große Freude mit einem Fotoalbum und einer Sammlung mit den besten Sprüchen etwa nach dem Muster: „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“. So ähnlich mag es Landrätin Bettina Dickes ergangen sein, als sie im Landtagswahlkampf 2006 in einer Rede sinngemäß sagte, dass im Hinblick auf die bemängelte Ausbildungsfähigkeit der Jugend nicht mal die Friseure es hinbekämen, drei Sprachen zu sprechen. Das war so nicht gemeint und geriet bei den Fachleuten „in den falschen Hals“. Um die „Beleidigung“ zu sühnen einigte man sich auf einen Praktikumstag von Bettina Dickes im Salon Gaby. Daran erinnerten sich die Jubilarin und die Landrätin noch sehr gerne und freuten sich noch fast 20 Jahre danach über die sehr gelungene „Entschuldigung“. Dickes wusch Kundinnen die Haare, legte Locken, fegte den Boden. Die „Strafarbeit“ wurde akzeptiert. „Gaby Maurer hat das damals so klasse und nett gemacht, das bleibt in guter Erinnerung,“ sagt die Landrätin, die lobend anerkennt, dass sich Maurer auch um etwas schwächere Lehrlinge aus anderen Betrieben gekümmert hat, ihnen über die Hürde der Gesellenprüfung half.

Ein Lob gab es auch von Bürgermeister Markus Lüttger, der das Unternehmen als beispielhaft für Einzelgewerbebetriebe nannte, von denen es im Dorf nur noch wenig gebe. Gaby Maurer sei auch in der Gemeinde verwurzelt. Was man nicht alles sieht und hört und lernt in 58 Jahren. Vieles wiederholt sich, sagt Gaby Maurer und erinnert daran, dass sie in ihrer Lehre mit dem Rasiermesser die Haare schnitt. Das kam wieder, und heute nennt man es „Slicen“. Und was ist das Schwerste am Beruf?, fragten wir sie. Nein, es ist nicht der Schnitt oder die Färbung. Problematisch wird es, wenn Kundinnen mit einem Wunschbild kommen, und die Basis dafür mit Gesicht und Haartracht dafür fehlt. Besonders in Erinnerung ist ihr da die Dallas-TV-Serie. Viele wollten aussehen wie Linda Evans alias Krystle Carrington. Da musste auch Gaby Maurer passen. Andere Sonderwünsche erfüllen sich leichter. Am arbeitsfreien Montag erkundigte sich ein potenzieller Klosterbruder, ob man ihm dann bitte eine Tonsur, eine sogenannte Mönchsglatze, schneiden könne. Ja, er könne gerne kommen, aber nur in der braunen Kutte, sagte ihm die Chefin. Da sind ihr ihre „alten Mädels“ doch lieber, wie Gaby Maurer ihre treuen Stammkundinnen nennt, die sie teils gerne zu Hause besucht. Ihre älteste Kundin, die ihr seit 50 Jahren die Treue hält, ist stolze 98 Jahre alt.

Zu dem goldenen Jubiläum wünschte sich Gaby Maurer keine Geschenke, sondern lieber „etwas in die Box“ für einen guten Zweck. Die Box steht „bis sie voll ist“ in ihrem Salon.